3D VISIT ––––––––––––––––––––––––– Da oben wird das Bild von einer Welt aus Blicken immerfort erneut und gilt––––––––––––––––current solo exhibition

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current solo exhibition
at Klett, Gilli, De Guerny, Berlin

October 12 – November 28, 2020

Die Bilder von Herbert Alexander Basilewski sind abstrakt in dem Sinn, daß sie nicht nachbildend abbildend sind. Sie sind ein Extrakt unserer täglich gemeinsamen Beobachtung von Farberscheinungen – tags, wie sowohl auch bei Nacht.
Dieses Phänomen der Beobachtung sonderlich geschiedener Lichtverhältnisse ist seit der Renaissance problematisiert worden. Die Nacht, das Dunkel oder die Dämmerung haben die Maler der Vergangenheit beschäftigt und zu vielen verschiedenen Ergebnissen geführt. Adam Elsheimers Bild „Aurora“ spricht uns auch noch heute deshalb an, weil die aufgehende Sonne noch nicht das Dunkel der Nacht vertrieben hat. Und dieser Schattenbereich, in dem die vorangegangene Nacht noch haust, ist wunderschön und geheimnisvoll. Daher stellt sich die Frage: wie malerisch die Nacht und den kommenden Tag darstellen? Welche Farben mischen, um den würdigen geheimnisvollen Ton, scheinbarer Lichtlosigkeit und die sich farblich verstärkenden Klimata der beginnenden Taghelle, zu treffen? Diese Fragen stellt sich Basilewski in seiner aktuellen künstlerischen Arbeit oder seit jeher.

In der Reduktion auf ein Wesentliches entstehen Bilder aus Farbschattierungen, Farbverläufen und Farbnebeln. Die in einer Vielzahl von ungezählten Schichten aufgebauten Bilder, schaffen Oberflächen oder Zonen, kontemplativer Seherlebnisse. Tiefer gestufte Ebenen wirken durch – schaffen räumliche Tiefe. Licht und Flächen moderieren verschiedenartige Formen von Energien. Durchblicke auf Übermaltes von anderer, unterschiedlichster Tonalität, suggerieren räumliche Distanz.

Dem Betrachter erschließt sich hier die zeitliche Textur von Raum. Ihr offen einsehbarer, unmittelbarer Gestus erhellt den (im Sinne Lessings) „prägnanten“ Augenblick, in welchem der Raum des Bildes, ja sogar der Punkt, an dem der Pinsel aufgesetzt wird, seine (lebens -) zeitliche Textur und damit nicht nur festgehaltene Zeit, sondern einen sichtbar gewordenen gesetzten Sinn erhält.

Die „Fruchtbarkeit“ dieses „prägnanten“ Augenblicks (um hier im Denken von Lessings „Laokoon“ zu bleiben) wird im Werk vor allem dadurch freigesetzt, dass der Künstler den angestrebten und bereits erreichten Ort wieder verläßt. Das Kunstwerk verselbstständigt sich, ist gegeben und kann in eine autonome Kommunikation mit den Betrachtern treten. Basilewski geht damit einen radikalen Weg der Unwiederholbarkeit, wieder auf dem Weg auf ein nächstes Werk zu. Sein Griff auf das Unartikulierte, noch Ungeformte einer nächsten Situation, lässt seine Arbeit immer schon am Rande ihrer selbst entstehen. Empfindsamkeit und Genauigkeit, lassen den Künstler hier nicht die Gesetze einer nachstellbaren Kausalität von Wirklichkeit herstellen, sondern seinem Gefühl folgend oder seinen Empfindungen nachstellend, das Unsichtbare ins Sichtbare ziehen. Wir haben es hier mit dem Grenzgang des Künstlers zu tun zwischen, der Spanne zwischen inneren und äußeren Kräften, welche unsere Wirklichkeit immer wieder neu bestimmt und erweitert.

Bianca Born, 2020

virtual tour by Stephan Klonk, Berlin, 2020